Verschmitzt und selbstironisch: Büchner-Preisträgerin Elke Erb

Man kann ihre verschmitzte und selbstironische Art durchaus als Markenzeichen betrachten. Die Lyrikerin und Übersetzerin Elke Erb wurde von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung auserkoren zur Trägerin des Georg-Büchner-Preises 2020. Warum? Weil sie laut Jury-Begründung eine unverdrossene Aufklärerin sei, weil sie gekonnt die Freiheit und Wendigkeit der Gedanken in der Sprache verwirkliche.

Die Berlinerin kommt ursprünglich aus der Eifel. Sie wurde 1938 geboren. Ihr Leben ist ein Abbild der jüngeren deutschen Geschichte. Kried, Nachkriegszeit, Gründung der DDR, Wendezeit, Wiedervereinigung, der Zerfall der Ostblockstaaten und der Sowjetunion.
Durch ihr Studium beherrscht sie das Russische. Als Lektorin beim Mitteldeutschen Verlag stellte sie ihre Fingerspitzengefühl für Sprache unter Beweis. Als Übersetzerin der Lyrik von Marina Zwetajewa und der Texte von Anna Achmatowa eröffnete sie deutschen Leserinnen und Lesern eine neue Welt der Literatur. Zehn Jahre war sie mit dem Prenzlauer Berger Schriftsteller Adolf Endler verheiratet. Ihr gemeinsames Kind Konrad Endler trat in die Fußstapfen der Eltern und ist heute selbst Autor und Musiker.

Elke Erb gehört zur Sächsischen Dichterschule. Volker Braunm Kurt Bartsch, Wolf Biermann, Andreas Reimann, Peter Gosse gehörten dazu, um nur einige Namen zu nennen. Das Leipziger Literaturinsitut Johannes R. Becher brachte die Gruppe zusammen, Die Biermann-Ausbürgerung und die deutsche Teilung spalteteten sie.

Während viele Autorinnen und Autoren entweder auf gepackten Koffern saßen und auf ihre Ausreisegenehmigung warteten oder nur noch für die Schublade schrieben, gelang es Elke Erb dennoch, im Aufbau-Verlag in der DDR kritische Texte wie „Kastanienallee“ zu veröffentlichen. Verweise darauf findet man in Lutz Seilers bei der Leipziger Online-Buchmesse 2020 vorgestelltem Roman „Stern 111“.

Peter Rother widmet seine Sendung „Der aphasische Dichter reitet seinen Pegasus“ heute der Dichterin. Er stellt Erbs Textübersetzungen der Exilgedichte von Marina Zwetajewa „Der Drang nach Haus“ vor, aber auch Erbs eigene Werke, etwa das „Flachland vor Leipzig“ oder „Schuld sind die“.
Das Elke Erb-Spezial, heute, 18:00-20:30 Uhr auf coloRadio.

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