Do 9. Oktober 2008 20:30 bis 21:00
-
Auftakt 3. Amerikanisches Sozialforum - Weltweite Finanzkrise, Nahrungsmittelkrise, geplatzte Immobilienblasen, Rezessionsängste. Die globalisierte Weltwirtschaft steckt in einer Krise. Viele haben seit Jahren vor diesen Szenarien gewarnt, noch mehr gegen diesen hemmungslosen Neoliberalismus protestiert. Nicht zuletzt die Sozialforen, die seit sieben Jahren zunächst in Porto Alegre, mittlerweile auch anderswo organisiert werden. Gestern startete in Guatemala-Stadt das 3. Amerikanische Sozialforum. Wir haben uns dort umgeschaut und schildern unsere ersten Eindrücke.
-
III. Amerikanisches Sozialforum in Guatemala: Hintergrund Frauenmorde - Hintergrundbeitrag anlässlich des Amerikanischen Sozialforums vom 7.-12. Oktober in Guatemala. Beitrag aus dem Jahre 2005/06. Jeden Tag werden es mehr. Beinahe 600 Frauen sind in diesem Jahr bereits in Guatemala umgebracht worden, doppelt so viele wie noch vor vier Jahren. Die Opfer: Hausfrauen, Arbeiterinnen, Prostituierte, Studentinnen, Mitglieder von Jugendbanden… Häufig werden die Frauen vor ihrem Tod vergewaltigt und verstümmelt, in vielen Fällen legen die Mörder Teile der Leichen an verschiedenen Orten ab. Was steckt hinter den Morden? Häusliche Gewalt? Gewöhnliches Verbrechen? Strafverfolger ordnen viele der Taten Jugendbanden zu, Menschenrechtler sprechen von einem Netz der Organisierten Kriminalität, in das Polizisten, Militärs, Politiker und die Drogenmafia eingebunden sind. Zweifellos erinnert die Grausamkeit der Verbrechen an die Zeit des Bürgerkrieges. Sexuelle Gewalt sei damals „Teil der Aufstandsbekämpfungsstrategie“ gewesen, bestätigt Amnesty International in einem Bericht zu den Frauenmorden, der im Juni 2005 erschienen ist. Mangelnde Ermitttlungen lassen bis heute keine eindeutigen Schlüsse über den Hintergrund der Morde zu. Doch in einem sind sich Frauenorganisationen und Menschenrechtler einig: Straflosigkeit, Korruption und Gleichgültigkeit sorgen dafür, dass die Zahl der Morde weiterhin zunimmt. Schon jetzt werden in keinem Land Lateinamerikas soviele Frauen ermordet wie in Guatemala.

1 Kommentar ↓
1 Uwe // Okt 10, 2008 at 8:25
Leider konnte ich nur den Beitrag über die Frauenmorde hören. Dass sie nicht verfolgt werden und sexualisierte Gewalt im Bürgerkrieg “Teil der Aufstandsbekämpfungsstrategie” war, also von den Herrschenden gegen die Bevölkerung angewandt wurde, ist sicher ein wesentlicher Punkt. Ein anderer Punkt ist, dass wegen des Großgrundbesitzes und der Exportorientierung nicht nur in Guatemala viele Menschen nicht von der Landwirtschaft leben können. Deshalb wandern sie in die Städte ab. Viele Frauen müssen dann in den “Schwitzbuden” arbeiten. Dort werden unter schlechten Arbeitsbedingungen zu niedrigen Löhnen Produkte für europäische und US-amerikanische Konzerne hergestellt. Andere Personen gehen zu den Banden. Dass viele Menschen, die um ihr Überleben kämpfen müssen, anfällig für die Diskriminierung noch stärker Benachteiligter sind, ist verständlich. Frauen sind eine diese Opfergruppen. Die Frauenmorde liegen somit auch an unserem Wirtschaftssystem.
Schreib was Du denkst: