Bürgerradios weichen auf Abendstunden aus – Private lassen Vermittlung dennoch platzen
Am 21.12. fanden in Leipzig Verhandlungen zwischen Vertretern der 3 freien Radios Sachsens und Radio Apollo statt. Unter Vermittlung der Sächsischen Landesmedienanstalt (SLM) sollte die weitere Kooperation der Sender, die sich die gleichen Frequenzen teilen, besprochen werden.
Radio Apollo, ein Gemeinschaftsunternehmen sächsischer kommerzieller Radioveranstalter, hatte seine Sendelizenz nur unter der Bedingung erhalten, die Kosten für der Ausstrahlung der freien Radios zu übernehmen. Entgegen dem Geist der bisherigen Vereinbarungen hatte Apollo diese Kooperation aufgekündigt. Mit diesem Schritt sollte Druck hin zu einer Verschiebung der Sendezeit der freien Radios in die weniger attraktiven Nachtstunden ausgeübt werden. Begründet wurde dieses Ansinnen mit den dann besseren Werbemöglichkeiten – bemerkenswerterweise findet alllerdings eine Werbevermarktung durch Apollo kaum statt. Vor dem Hintergrund der Gründung dieses Senders durch existierende kommerzielle Sender in der Absicht, Konkurrenz vom Markt fern zu halten, wird der Sachverhalt verständlicher.
Mit dem Angebot einer Verschiebung der Sendezeit um eine Stunde kamen die freien Radios Apollo in dieser Angelegenheit weit entgegen – der Verzicht auf 1 Stunde Radioprimetime zur Wahrung des Status quo schmerzt besonders im Hinblick auf unsere jünsten Hörer.
Konkret sind sowohl coloRadio aus Dresden, als auch Radio Blau (Leipzig) bereit, auf die Radioprimetime ab 18 Uhr zu verzichten. Radio T aus Chemnitz sendet bereits seit einigen Jahren erst ab 19 Uhr. Im Gegenzug soll Apollo weiterhin die Sende- und Leitungskosten für die nichtkommerziellen Lokalradios (NKL) übernehmen.
250 Stunden Primetime-Sendezeit für potentielle Werbekunden
„Ein solches Zugeständnis tut uns sehr weh“, erklärt Daniel Stefan von coloRadio aus Dresden. „Wir arbeiten alle ehrenamtlich und erklären uns nun noch bereit, einen kommerziellen Radiosender mit zu finanzieren.“
Das Angebot wurde sowohl den Vertretern der sächsischen Privatsender, als auch Prof. Kurt-Ulrich-Mayer unterbreitet. Der Präsident der Sächsischen Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) hatte sich als Vermittler angeboten. Vergeblich: Die Vertreter der privaten Rundfunkveranstalter ließen die Gespräche platzen.
Die kommerziellen Rundfunkmacher haben somit ihr Desinteresse an einer Lösung unter Beweis gestellt. Stefan: „Das sollten nun auch den Abgeordneten des sächsischen Landtages zu denken geben.“ Die beraten bald über ein neues Mediengesetz, das die Finanzierung des NKLs durch die SLM regeln muss.
Beiträge zum Treffen nachhören:



11 Kommentare ↓
1 3 sächsische Freie Radios in Gefahr // Dez 26, 2009 at 1:11
[...] mit Radio Apollo über die Fortführung eines Kooperationsvertrages scheinen nach einem Treffen der bisherigen Kooperationspartner am 21. Dezember ganz endgültig gescheitert. Die sächsischen freien Radios boten den privaten [...]
2 DerSeher // Dez 27, 2009 at 9:37
Diese Mitteilung ist zwar recht amüsant zu lesen (wenn auch die reichlichen Schreibfehler ein wenig den Gesamteindruck trüben), geht aber am Kern des Problems vorbei. Zum einen stecken gleich am Anfang viele faktische Fehler in der Meldung. Denn Apollo erhielt die Lizenz unter der Auflage Sendefenster zur Verfügung zu stellen. In der Lizenz steht nichts über eine Verpflichtung zur Übernahme Kosten. Diese Zusatzvereinbarung war von Anfang an befristet und läuft Ende 2010 aus, wurde also nicht gekündigt. Aber am Ende ist es auch nicht der Fehler der Privaten. Diese müssen an WIrtschaftlichkeit denken und sich nicht den Kopf über die Zukunft der Freien zerbrechen. Ich habe mich an anderer Stelle belehren lassen und komme ebenfalls zu dem Schluss, dass eigentlich die Politik endlich die Weichen stellen muss. Lasst die Privaten privat sein und lasst die Freien frei sein. Dazu kann nur eine Änderung des sächsischen Rundfunkgesetzes beitragen!
3 Katja F. // Dez 31, 2009 at 15:11
Prinzipiell ist es gut, einen “Gegenpool” zu allen anderen Radfios zu haben. Aber was nutzt es, wenn Sie nicht zu empfangen sind. Im Auto rauscht Ihr Sender, wenn ich das Stadtzentrum richtung Heidenau verlasse. Es sollte doch erst einmal die Sende stärke so erhöht werden, das Ihr Sender im ganzen Ballungsraum überhaupt zu hören ist. So gut die Idee von freien Radios auch ist, sie nutzt nischt, wenn der Hörer, der Euch hören möchte, Euch gar nicht empfangen kann.
Und wegen wenig hundert Hörern die Abgeortneten tagen lassen, das ist für mich scheinheilig und grenzt für mich an Geldverschwendung!! SCHADE!!
4 Falschgold // Dez 31, 2009 at 15:36
Tja, liebe Katja, jetzt rate mal, wer ueber die Leistung unserer Sender entscheidet und wer die Kosten uebernimmt? Wir wuerden gerne und sofort von Schmilka bis Berlin senden, leider stehen da Regulatoren und Kosten vor,
Danke fuer Deinen Kommentar!
5 Katja F. // Jan 2, 2010 at 15:41
… habe mich heute Mittag noch mal kurz reingeschaltet. Jetzt weiß ich auch, warum Ihr Sender nicht stärker senden darf: Mich hat es geschauert!! Da erzählte ein Östereicher in einem sau arroganten Tonfall was über Zigeuner!! Aua – Mich gruselt`s. Ich frage mich : Warum sollte Ihnen jemand mehr Sendeleistung geben, wenn so derart mieses “Zeug” gesendet wird. Das hören ni Viele!! Mensch : Ihr wollt als alternatives Radio in Deutschland existieren. Wem Interessiert denn da ein Arsch – Arroganter Östereicher, der `ne Ewigkeit über Zigeuner faselt!!??
Macht doch lieber Reportagen über wichtige Themen die unser Sachsen betreffen. Da gibt es genug “Arbeit” !!Was ist mit der Umweltverschmutzung entlang der Flüsse, der Erziehung unserer Kinder, den wilden Müllkippen, der raserei im Straßenverkehr, den Radfahrern, die einem in der falschen Richtung ohne Licht im Finstern entgegen kommen, die Gesundheitspolitik oder die sau beschissenen Sozialleistungen in diesem Lande!! Es gibt genug Themen die aufgegriffen werden sollten. Aber wenn Ihr so wie heute Mittag weiter macht, dann werdet Ihr mich als Hörer nie gewinnen können. Denkt mal an die DDR Zeiten. Da gab es überall und ständig Kritik. Aber die war zwischen die Zeilen geschrieben, mit der ganz spitzen Feder. Und Dennoch hat`s gereicht um ein Staat zu stürzen.
Es haben alle verstanden. Ich sage nur “Albatross” von Karat.
Zeigt mal, was Ihr könnt!!
6 Podiumsdiskussion am 12. Januar 2010: “Wir dudeln anders - freie Radios in Sachsen” » FreibÄrger // Jan 6, 2010 at 11:01
[...] Bisher haben ca. 1430 Unterstützer die ePetition von coloRadio unterzeichnet. Die Finanzierung der Sende- und Leitungskosten der sächsischen freien Radios ist weiterhin ungeklärt. Eine Verlängerung des Kooperationsvertrages mit den Betreibergesellschaften von Radio Apollo ist nicht zustande gekommen: http://coloradio.org/site/2009/12/sachsische-freie-radios-bieten-privaten-rundfunkveranstaltern-250-... [...]
7 theo // Jan 15, 2010 at 13:47
Liebe Katja F., Hinhören und länger als 30 Sekunden sollte frau schon bei coloRadio. Trotzdem ist mir so ein Mißverständnis wie “Arroganter Östereicher, der `ne Ewigkeit über Zigeuner faselt!!??” einigermaßen unerklärlich. Mir ist auch nicht ganz klar, ob Sie das Thema “schlimme Situation der Roma (Zigeuner) in Ungarn” für nicht berichtenswert halten oder ob vermuteter Rassismus beanstandet wird.
Zur Richtigstellung ein Auszug aus der Programmankündigung auf unserer Webseite und einige Verlinkungen. Besonders interessant der arrogante Österreicher, der das mit Scheisse beschmierte “Roma-Denkmal”, das an Deportation und die Ermordung in Auschwitz erinnert, mit sehr wenigen Mitstreiterinnen reinigt. Das Kurzvideo dazu empfehle ich.
Aus der Programmankündigung: “eine ausführliche beschreibung der reinigungsaktion des roma holocaust-denkmals in budapest, das man mit scheiße und zigeunerfeindlichen parolen beschmiert hatte. fürs putzen fühlte sich weder der bezirk ferencváros noch die stadt zuständig. den passanten war es nicht einmal aufgefallen, daß hundescheiße am denkmal klebte. auch die medien zeigten sich besonders desinteressiert an der tatsache, daß man das denkmal geschändet hatte und auch für die reinigungsaktion interessierte sich außer der online-redaktion (!) der tageszeitung „népszabadság“ niemand.”
Links: http://coloradio.org/site/2010/01/fruhstyxradio-teil-1-budapest-schweinegrippe-scheisse-am-denkmal-mehr/#more-12124
film von der jetzigen putzaktion (Reinigen) roma-holocaust-denkmal: http://www.youtube.com/watch?v=PFsqsucVlqk
von der ersten aktion (Reinigen) roma-holocaust-denkmal: http://www.youtube.com/watch?v=RQqOwYJBGGo
Übrigens, über den “Rechtsschub in Osteuropa” wird ansonsten spärlich berichtet, bei uns den “FreienRadios” ist es immerwiederThema.
8 Uwe // Jan 20, 2010 at 17:33
Ich werde aus Katja F. nicht ganz schlau. Zuerst erklärt sie:
“Prinzipiell ist es gut, einen “Gegenpool” zu allen anderen Radfios zu haben.”
Dann erklärt sie u.a.:
“Und wegen wenig hundert Hörern die Abgeortneten tagen lassen, das ist für mich scheinheilig und grenzt für mich an Geldverschwendung!!”
“Jetzt weiß ich auch, warum Ihr Sender nicht stärker senden darf: Mich hat es geschauert!!”
“Zigeuner!! Aua – Mich gruselt`s. Ich frage mich : Warum sollte Ihnen jemand mehr Sendeleistung geben, wenn so derart mieses “Zeug” gesendet wird. Das hören ni Viele!!”
Deshalb werde ich den Eindruck nicht los, die erste Behauptung von Katja F. ist nicht ihre ehrliche Meinung und nur geschrieben, um die übrigen Falschaussagen in besserem Licht erscheinen zu lassen. Dass die Sendeleistung z.B. nicht mit der Begründung mangelnden Inhalts so niedrig ist, müsste Katja F. eigentlich wissen. Der Tonfall zeugt auch eher von Hass. Und die Verwendung von “Zigeuner” statt “Roma” lässt nach der politischen Richtung fragen. Wenn Katja F. aber coloRadio ablehnen sollte, weil es kein Nazifunk ist, wäre es schön, es wenigstens offen zuzugeben.
9 Katja F. // Jan 20, 2010 at 18:36
Uwe, was ich schrieb, ist meine ehrliche
Meinung!!! Und wir haben doch nun wirklich
genug Arbeit und genügend Themen, die bei uns zu Hause förmlich nach “Bearbeitung” schreien.
Wenn Ihr es aber mit europähischen Volksgruppen habt- OK !! Wie wäre es denn dann mal mit den Sorben und deren Sorgen!!
Meine Äußerungen haben absolut nichts mit irgendeiner pol. Richtung zu tun. Ich verabscheue jeglichen Radikalismus!!! Rechts genau so wie Links!! Was ich aber ausdrücken wollte, ist folgendes: Euer Programm hat so einige “Macken”, die ein normaler Radiokonsument -so wie ich- nie gut finden wird! Erfolg hat aber etwas mit Akzeptanz zu tun. Und ich habe nicht nur wie falscher Weise geschrieben wurde “30 Sekunden gehört”!!
Nur wenn so weitergemacht wird wie bisher, werden die Hörerzahlen nie entscheidend steigen. Also ist auch die “Anmerkung zur Sendeleistung” geklärt. Also Zeigt was Ihr könnt. und fangt mal hier in Sachsen an.
10 Uwe // Jan 21, 2010 at 18:43
Liebe Katja F.,
ich könnte jetzt ausführlich erklären, warum die im coloRadio angesprochenen Themen auch uns betreffen. Nur soviel: Die eigentlichen Probleme hängen miteinander zusammen und lassen sich nicht lokal lösen. Außerdem gibt es durchaus viele Sendungen, die die lokalen Aspekte dieser Probleme betrachten, sei es Ausländerfeindlichkeit in Dresden, sei es fairer Handel, seien es wie durch eigenes Handeln die Welt verbessert werden kann, seien es die politischen Hintergründe, warum die Herrschenden gegen Meinungsfreiheit sind usw. Dann gibt es die Sendungen aus Ostsachsen. Informiere Dich bitte, bevor Du etwas behauptest und dann noch mit mehreren Ausrufezeichen.
“Ich verabscheue jeglichen Radikalismus!!! Rechts genau so wie Links!!”
zeigt mir übrigens, dass ich mit meinen Vermutungen nicht ganz unrecht hatte. Ich weiß, wer sich so äußert. Und woher weißt Du, dass Du “ein normaler Radiokonsument” bist? Was ist normal?
Zu
“Und ich habe nicht nur wie falscher Weise geschrieben wurde “30 Sekunden gehört”!!”
Du schreibst:
“habe mich heute Mittag noch mal kurz reingeschaltet”.
Übrigens, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen:
Ich gehöre nicht zu coloRadio. Ich bin nur ein interessierter Hörer, der durchaus auch vieles zu kritisieren hat, dies aber konkret und sachlich.
11 Katja F. // Jan 23, 2010 at 19:24
Oje, Oje, Oje !!!
Viel Spaß noch und viel Erfolg !!!
Over & Out
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